In der Stadtratssitzung am 23. Oktober 2025 hat die Stadt Unterschleißheim die Weichen für den weiteren Ausbau der Geothermie in Unterschleißheim auf „freie Fahrt“ gestellt, indem der Stadtrat die Bürgschaft der Stadt für die Kreditaufnahme durch die Geothermie Unterschleissheim AG (GTU) einstimmig beschlossen hat.
Warum ist das wichtig und worum geht es dabei? Kurz zuvor hatte die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern in einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus die neu erarbeitete kommunale Wärmeplanung vorgestellt. In einer Präsentation wurde in 5-Jahres-Schritten auch der Ausbau der Geothermie in Unterschleißheim von 2025 bis 2045 als zentrales Element der Wärmeplanung dargestellt. Um diesen Ausbau zu bewältigen, sind massive Investitionen der GTU sowohl in die Energieerzeugung als auch in den Netzausbau erforderlich. Dazu müssen jetzt langfristige Kredite durch die GTU bei den Banken aufgenommen werden, die die Stadt durch Bürgschaften absichert.
Um in Zukunft mehr Thermalwasser zur Verfügung stellen zu können, besteht der Schwerpunkt der Aktivität der GTU in den nächsten beiden Jahren in der Erweiterung der Energiezentrale neben dem Hallenbad mit Wärmepumpen, die dem Rücklauf Wärme entziehen und dem Zulauf wieder zuführen. Die Leistung steigt damit auf ca. 65 MW und die Förderrate des Thermalwassers wird von 100 auf 120 Liter pro Sekunde erhöht. Dafür sind 13,4 Mio. € Fremdfinanzierung notwendig. Darüber hinaus benötigen wir für den Ausbau des Wärmeleitungsnetzes zusätzliche Investitionen in Höhe von ca. 4,3 Mio. €. Die Rückzahlung erfolgt durch die Erlöse der GTU aus dem Wärmeverkauf. Da die in Aussicht gestellte BEW-Förderung für die Investitionen in die Steigerung der Energieerzeugung in Höhe von 7,9 Mio. € erst nach Abschluss der Maßnahme ausgezahlt wird, muss die GTU diesen Betrag zusätzlich zwischenfinanzieren.
Mit den obigen Investitionen erzielen wir als Stadt einen hohen ökologischen Nutzen. Vor der Installation der zusätzlichen Wärmepumpen hatte die Gesamtwärmeerzeugung der GTU einen „CO2-freien“ Geothermie-Anteil von ca. 67%. Nach der Installation steigt der Geothermie-Anteil auf ca. 90%, d.h. selbst ohne weiteren Netzausbau werden mindestens 3.300 Tonnen an CO2 pro Jahr zusätzlich eingespart.
Anfang der 2030er Jahre wird dann eine zweite Förderbohrung notwendig, um genug Energie für den weiteren Netzausbau bis 2045 zur Verfügung zu haben. Die Stärkung der Finanzkraft der GTU für diese zweite Förderbohrung hatte die SPD-Fraktion bereits vor 2 Jahren im Oktober 2023 im Stadtrat beantragt. Erfreulicherweise ist die zweite Förderbohrung in den Ausbau-Szenarien der kommunalen Wärmeplanung unserer Stadt bis 2045 bereits berücksichtigt.
Um bei den in Unterschleißheim häufigen Reihenhäusern die sonst unwirtschaftlichen Anschlusskosten zu reduzieren und damit die Chancen auf einen Netzanschluss zu verbessern, besteht die Möglichkeit, dass Nachbarschaften ihr Interesse bündeln und einen gemeinsamen Anschluss beantragen. Dazu ist es allerdings rechtlich erforderlich, Grunddienstbarkeiten eintragen zu lassen, damit die Zuleitungen überhaupt gebaut werden dürfen. Dies ist keine leichte Aufgabe, hier gilt es, nachbarschaftlich gemeinsam aktiv zu werden. Die SPD wird wie bisher auch alle notwendigen und sinnvollen Maßnahmen für die lokale Energieversorgung unterstützen und mitgestalten. Wir begrüßen dabei ausdrücklich den Konsens beim Ausbau der Fernwärmeversorgung durch die GTU über alle Fraktionen hinweg zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und der Gewerbebetriebe in Unterschleißheim.
Stefan Schneiders
(Stadtrat und Finanzreferent der SPD Fraktion)
Dr. Thomas Breitenstein
(Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der SPD Fraktion)