Seit Mai 2013 bin ich Gleichstellungsbeauftragte der SPD Fraktion im Unterschleißheimer Stadtrat und habe seitdem im LLA zu diesem Anlass jedes Jahr einen Artikel geschrieben. Allerdings arbeite ich auch als Kulturreferentin- zuerst als Vertreterin von Georg ‚Jacky‘ Schaller und später seine Nachfolgerin. Da ich aus Altersgründen meine Tätigkeit im Rathaus beende kam mir die Idee, bei diesem letzten Text beide Themen zu verbinden.
Vielleicht erinnert sich die eine oder andere Leserin noch an eine Pressemitteilung vom 21.11.25: Das bisher teuerste Gemälde einer Frau, Frida Kahlos ‚Traum‘ wurde für 55 Millionen Dollar versteigert und löste damit das 1932 entstandene Bild White Flower Nr.1 der Amerikanerin Georgia O‘ Keeffe ab, das 2014 für 44 Mill. Dollar unter den Hammer kam. Wenn ich dann noch bei Google lese, dass der ‚Traum‘ bei seiner ersten Versteigerung im Jahre 1980 gerade mal 51000 Dollar erzielte, ist diese Entwicklung doch bemerkenswert! Denn seit Jahrhunderten spielten weibliche Malerinnen im Kunstbetrieb fast keine Rolle. Man sprach ihnen künstlerische Fähigkeiten komplett ab, der Zugang zur Kunstakademie, zur Aktmalerei und Anatomie wurde ihnen verwehrt und in den meisten Galerien hingen nur Werke männlicher Künstler. Doch trotz dieser historischen Benachteiligung prägten auch viele Frauen die Kunstgeschichte der Malerei. Wenigstens an einige von ihnen möchte ich an dieser Stelle erinnern.
In der Renaissance war Artemisia Gentileschi (1593-1656) bereits weit über die Grenzen Italiens für ihre kraftvollen und teils gewalttätigen Bilder bekannt-noch heute gilt sie als eine der emanzipiertesten Frauen in der europäischen Kunst! In München zu sehen im Haus der Kunst in der herausragenden Ausstellung ‚Die Nacht‘ vor fast drei Jahrzehnten. Maria Sybilla Merian (1647-1717) war eine Pionierin, die Kunst und Naturforschung schon früh miteinander verknüpfte und dafür auf dem deutschen 500.-DM Schein gewürdigt wurde. Die geborene Schweizerin Angelika Kauffmann (1741-1807) war quasi der Popstar des 18. Jahrhunderts. Sie zog nach Rom, hatte dort einen europaweit bekannten Salon, war mit Goethe eng befreundet und später ein Gründungsmitglied der Royal Akademie in London- ein absolut ungewöhnlicher Vorgang für eine Frau. Ihr lebendiges Portrait der Teresa Bandettini überzeugt noch heute- letztere war die erste ‚Poetry-Slamerin‘ der Geschichte und trat bei Festen auf, wo sie auf Zuruf zu einzelnen Begriffen Gedichte erfand. Kauffmanns Retrospektive 1999 im Haus der Kunst war ebenfalls eine Sternstunde der Münchner Kulturszene. Weiter geht es mit Wegbegleiterinnen des Impressionismus wie z.B. Berthe Morisot (1841-1895) oder der Amerikanerin Mary Cassatt (1844-1926), denen wir in einigen Ausstellungen begegnen konnten, z.B.in der Neuen Pinakothek. Nun bin ich schon in der Moderne angekommen. Gabriele Münter (1877-1962) lebte und arbeitete mehrere Jahre mit Wassily Kandinsky zusammen, der gemeinsam mit Franz Marc die ‚Redaktionsgemeinschaft Der Blaue Reiter‘ gründete. Sie selbst engagierte sich später als große Kunstmäzenin, ein absoluter Glücksfall für die bayrische Landeshauptstadt und auch die geborene Russin Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky, treffen wir im Lehnbachhaus! Eine besondere Rolle hat Paula Modersohn-Becker, die während ihres kurzen Lebens (1876-1907) nicht ein einziges Bild verkaufen konnte, aber eine wichtige und absolut eigenständige Form für den deutschen Expressionismus entwickelte.
Wie sieht es nun mit den jetzt lebenden Künstlerinnen aus? Sie haben sich ihren Platz selbstbewusst erobert, allen voran Marina Abramovic‘ und auch Yoko Ono durch ihre innovativen neuen Konzepte oder Yayoi Kusama mit ihren magischen Punkten. Und damit möchte ich es bewenden lassen, auch weil ich in dieser Szene nicht mehr bewandert bin. Leider ist es mir aus Platzgründen nicht möglich, in diesem Artikel auf die vielen anderen herausragenden Malerinnen-Persönlichkeiten einzugehen und bitte dafür um Nachsicht. Aber vielleicht, verehrte Leserinnen, konnte ich Ihnen schon mit diesen wenigen Beispielen zeigen, dass sich das Thema „Frauen und Kultur“, noch nie ausgeschlossen hat. Das gilt für die ganze Menschheitsgeschichte – schon die Höhlenmalereien vor über 30 000 Jahren sind der beste Beweis: Männer und Frauen sicherten gemeinsam das Überleben der eigenen Sippe und hielten es in den Felsenbildern fest! Doch zurück zum Jahr 2026. Ich werde mich sehr freuen, wenn Sie beim Lesen Lust bekommen, wieder einmal und dann mit einem weiblichen Blick die vielen Schätze zu besuchen, die uns München bietet – z.B. in der Schack Galerie, im Bayrischen Nationalmuseum, in den drei Pinakotheken oder den bereits erwähnten Sammlungen. Wir haben eine der großartigsten Museumslandschaften der Welt direkt vor unserer Unterschleißheimer Haustüre!
PS. Die mexikanische Malerin Frida Kahlo lebte von 1907-1954 und O‘ Keeffe von 1887 bis 1986.
Antje Kolbe
SPD Stadträtin, Jahrgang 1942