Die Finanzkrise der Kommunen ist allgegenwärtig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch in Unterschleißheim die Haushaltsplanung 2026 und die Finanzplanung bis 2029 eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten war. In vier konstruktiven Sitzungen konnten die Finanzreferenten gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden, den Bürgermeistern und der Stadtverwaltung einen genehmigungsfähigen Haushalt für unsere Stadt erarbeiten. Diese Planungen wurden am 18. März 2026 erstmals öffentlich im Hauptausschuss beraten und mehrheitlich angenommen. Damit ist voraussichtlich in der Sitzung des Stadtrates am 16. April 2026 eine Verabschiedung des Haushalts zu erwarten.
Der Start in das Jahr 2026 erfolgte für unsere Stadt erfreulicherweise mit einem positiven Kontostand aus dem Jahr 2025 in Höhe von 28,1 Mio. €. Damit ist die Liquidität von Unterschleißheim und somit die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit unserer Stadt auch im Jahr 2026 sichergestellt. Dies ist besonders wichtig, da unsere Stadt 2026 wieder eine sehr hohe Kreisumlage an den Landkreis München verkraften muss. Die Kredite der Stadt Unterschleißheim belaufen sich dagegen zu Beginn des Jahres 2026 auf weniger als 2,1 Mio. €, wenn man einen kurzfristigen Kassenkredit in Höhe von 10 Mio. Euro ausklammert. Dieser war notwendig, da eingeplante hohe Millioneneinnahmen aus Grundstücksverkaufen 2025 noch nicht vor Jahresende eingegangen waren. Der Zahlungseingang ist mittlerweile erfolgt sodass der Kassenkredit wieder getilgt werden kann.
Auf der Einnahmenseite ist für den neuen Haushalt 2026 die Gewerbesteuer nach wie vor die größte Position. Hier haben wir mit einem Ansatz von 50 Mio. € auch in diesem Jahr wieder seriös kalkuliert, insbesondere im Vergleich mit den erzielten 53,1 Mio. € Ergebnis im Jahr 2025. Beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer kann die Stadt erfreulicherweise mit einer Steigerung um 1,6 Mio. € auf rund 29,9 Mio. € rechnen. Der Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer steigt ebenfalls um 1,0 Mio. € auf jetzt runde 6,0 Mio. € und bei der Grundsteuer wird mit gleichbleibenden Einnahmen in Höhe von 3,2 Mio. € gerechnet. Einige Grundstücksverkäufe leisten 2026 einen wichtigen Beitrag für die zügige Weiterentwicklung des Neubaugebiets in Lohhof Süd und stärken die Einnahmeseite. Der Gesamtansatz der Einnahmen beläuft sich in 2026 damit auf rund 125,9 €, das sind 6,1 Mio. € weniger als Vorjahr. 2025 betrugen die Einnahmen 132,0 Mio. €.
Auf der Ausgabenseite des Haushalts 2026 sind die drei größten Positionen die schon erwähnte gestiegene Kreisumlage in Höhe von 47,0 Mio. € (Vorjahr 46,4 Mio. €), der Defizitausgleich bzw. die Bezuschussung der Träger von Kindertageseinrichtungen in Höhe von 19,9 Mio. € (Vorjahr 19,3 Mio. €) und die auf Grund der Gehaltserhöhungen gestiegenen Personalaufwendungen mit 17,6 Mio. € (Vorjahr 16,6 Mio. €). Dabei ist seit Jahren erstmalig keine Stellenmehrung in der Verwaltung geplant; wir wollen die Personalausgaben auf hohem Niveau stabilisieren. Dazu hat der Hauptausschuss vorgesehen, dass in den kommenden Jahren eine Stellenreduzierung in der Verwaltung von 2 Stellen pro Jahr über die übliche Personalfluktuation erfolgt. Im Haushalt sind insgesamt Ausgaben von 141,5 Mio. € somit 4,6 Mio. mehr vorgesehen als 2025 (Vorjahr 136,9 Mio. €).
Bei den Investitionstätigkeiten sind im Jahr 2026 Baumaßnahmen in Höhe von 46,5 Mio. € geplant; der mit Abstand größte Posten ist dabei der Bau der Michael-Ende-Schule (MES). Bis zum 31.12.2025 wurden für die MES Rechnungen in der Gesamthöhe von 21,5 Mio. € ausgezahlt. Für das Haushaltsjahr 2026 erwarten wir Ausgaben in Höhe von 27 Mio. € und für die Folgejahre 2027 und 2028 insgesamt weitere Ausgaben in Höhe von 15 Mio. €. Aktuell ergibt sich somit eine Gesamtinvestition für die MES in Höhe von 63,5 Mio. €. Dies sind erfreulicherweise fast 10 Mio. € weniger als bei Baubeginn geplant, eine seltene Entwicklung bei öffentlichen Bauvorhaben; trotzdem bleibt es die größte Investition des Haushalts. Nach wie vor bedauerlich ist, dass die Förderung durch den Freistaat für die Ganztagesschule nur 6,6 Mio. €, also gerade einmal 11% beträgt. Im Haushalt 2026 ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 10,0 Mio. € vorgesehen, für die die Aufsichtsbehörde bereits im letzten Jahr eine Genehmigung erteilt hat.
Die Weiterführung der Arbeiten für das Neubaugebiet mit Mehrgenerationswohnen in Lohhof Süd mit der provisorischen Fertigstellung der Erschließungstrassen ist in diesem Jahr die zweite größere Investition. Der private Investor hat bereits mit dem Bau des Senioren- und Pflege-Zentrums begonnen. Der geplante Verkauf weiterer städtischer Grundstücke in Lohhof Süd dient nicht nur der Refinanzierung der erheblichen Erschließungskosten des Neubaugebietes, sondern ermöglicht auch einen vielfältigen Wohnungsbau sowohl mit Geschosswohnungen als auch mit Reihenhäusern. Fest vorgesehen ist aus Sicht der SPD-Fraktion ein größerer Anteil an bezahlbarem Wohnen in dem neuen Quartier.
Insgesamt war wie im Vorjahr auch 2026 die Priorisierung und Sicherstellung der Finanzierung aller unserer im Stadtrat beschlossenen Projekte ein schwieriger und zeitintensiver Balanceakt für alle Beteiligten. Dies liegt im Wesentlichen an volatilen Einnahmen, der stark gestiegenen Kreisumlage und höheren Kosten für die Kinderbetreuung in Kitas und im Ganztag an den Schulen. Auf der Ausgabenseite stand die Überprüfung aller freiwilligen Leistungen unserer Stadt im Mittelpunkt der Beratungen. Dabei wurde erfolgreich versucht, diese im Wesentlichen zu erhalten und die geringen Kürzungen fair auf die verschiedenen Bereiche wie Kultur, Sport, Vereine und Soziales sowie dem Defizitausgleich bei der Kinderbetreuung aufzuteilen. Trotzdem können wir die hohe Servicequalität der Stadt und die Unterstützung unserer Vereine im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger sicherstellen und bleiben dabei auch im Ausblick auf 2029 weit unter der Durchschnittsverschuldung aller bayerischen Kommunen.
Einen besonderen Dank für die Vorbereitung der Unterlagen, Aktualisierung der Daten und Abstimmung mit allen Fraktionen gebührt der Verwaltung und dem Ersten Bürgermeister Christoph Böck. Der neue Haushalt schafft den Rahmen für eine stabile finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt Unterschleißheim in den nächsten vier Jahren. Daher haben die Mitglieder aller Parteien im Hauptausschuss mehrheitlich dem Stadtrat empfohlen, den Haushalt in dieser Form zu verabschieden.
Stefan Schneiders
Stadtrat und Finanzreferent der SPD-Fraktion