Stecker raus im AquariUSH

05.05.2020
Antje Kolbe für die SPD Unterschleißheim - Lohhof

Ganz Unterschleißheim ist stolz auf sein schönes AquariUSH – und niemand darf rein! Wir fragen Christian Kunz, seit 27 Jahren Chef des Hallenbades, wie es ihm und seinem Team in dieser Situation ergeht.

Christian Kunz: “ Wenn wir durch die weitläufige Anlage gehen, sind wir alle emotional ziemlich down! Alles ist vorbereitet, aber wir können unsere Gäste nicht betreuen! So viele Menschen haben die verschiedensten Erwartungen an uns, Familien, Mütter und Väter mit ihren Babys, die Vereine, die sportlichen Schwimmer, die Schulkinder, Kinder die nicht schwimmen lernen dürfen und ihr Seepferdchen nicht machen können, die Senioren, die sich erholen wollen, die Kontakt suchen…alle müssen wir jetzt vertrösten und enttäuschen!
Dazu kommt ja noch, dass wir seit rund zehn Jahren immer mit einer Baustelle gelebt haben und trotzdem den Betrieb parallel aufrechterhalten konnten. Seit fünf Jahren gab es kein normales Jahr mehr! Vor zwei Jahren am vierten Mai 2018 war die neu Eröffnung, dann vier Wochen später der Brand im Saunabereich und endlich nach Fertigstellung der neuen Bergl Sauna am 08.11.2019 waren nun wirklich alle Anlagen tip-top: dann kam die Schließung am Freitag den 13. März mit dem Lock Down, von einem Tag auf den anderen, das tut uns schon sehr, sehr leid! Mit Infektionsschutz haben wir es ja schon immer in vielfältigster Weise zu tun, aber dieses Ausmaß hätte sich keiner vorstellen können. Da konkret jetzt niemand weiß, wie es weitergeht, befinden wir uns momentan in einem minimalen Stand by Betriebszustand. Alles einfach schnell mal trocken zu legen und den Stöpsel zu ziehen ist nicht möglich: Dichtungen und Leitungen würden schrumpfen, es käme zu Spannungsrissen, zu Rostansätzen, die zu beheben kostet viel Geld und Zeit. Wir haben noch Wasser in den Becken, die Temperaturen ganz abgesenkt, wir müssen mehrmals in der Woche immer wieder die Leitungen durchspülen, damit es nicht zu einer anderen Verkeimung kommt, Stichwort Legionellen! Speziell ist auch die sehr sensible Thermalwasser Aufbereitung zu nennen und um unangenehme Begleiterscheinungen wie Schimmel zu vermeiden, müssen wir auch ständig alle Räume gut durchlüften.
Meine 16 Mitarbeiter*innen sind seit dem 01.05.2020 in Kurzarbeit, das hat es im kommunalen öffentlichen Bereich meines Wissens noch nie gegeben. Wir wechseln uns in drei Zweierteams ab, drei Mitarbeiterinnen helfen im Ordnungsamt bei der Corona Hotline aus. Eine ausstehende größere investive Maßnahme ist derzeit noch offen: die Badewasser - und Gebäudeleittechnik muss erneuert werden, um alles auf den neuesten gleichen System- und Technikstand zu bringen. Die letzte große Generalsanierung fand 2002 statt und nun passen die beiden Systeme der Steuerung der Heizung, Badewassertechnik, Lüftung vom alten Teil und den Neubauten von 2018 nicht mehr zusammen - das wäre im September für fünf Wochen geplant gewesen. Da hätten wir parallel dazu auch die jährliche Revision gemacht: Pumpen gewartet, Fliesen und Malerarbeiten, diverse Reinigungs- und Wartungsarbeiten, das Beckenwasser frisch aufbereitet und so weiter. Gott sei Dank konnten wir die Revision umfangreich jetzt kurzfristig organisieren und vorziehen, da auch die dafür benötigten Handwerker dazu bereit waren. Da helfen uns jetzt die guten Kontakte zu den Firmen.
Nur für den normalen Badebetrieb, wie wir Ihn kannten, ist mit Corona an eine Öffnung derzeit leider nicht zu denken! Mit Maske schwimmen, 1,5 Meter Abstand einhalten, eine Person pro 20 m², zeitliche Zugangsbeschränkungen von Nutzergruppen sind Szenarien, die im Raum stehen, entschieden ist noch nichts. Stellen Sie sich die Situation in den Sammel-Gemeinschaftsumkleide – Kabinen, in den Duschen, im Springer und Schwimmer Becken vor, bei Aquafitness oder beim Planschen der Kleinen. Da für den nötigen Abstand zu sorgen würde schwer zu organisieren und einzuhalten sein. Von Sauna und Wellness reden wir lieber noch gar nicht.
Vielleicht kann man ja irgendwann in absehbarer Zukunft, aber nur mit sehr disziplinierten Badegästen und kleineren Gruppen wieder beginnen, ich denke da an die Leistungssportler, Triathleten, Langstreckenschwimmer oder Thermalwasser Gymnastik, wer weiß. Da warten wir jetzt auf klare Vorgaben von der Regierung, um dann zu versuchen die Maßnahmen umzusetzen, die auch alle Bäder zumindest in Bayern gleichermaßen erfüllen können - zum Schutze sowohl der Mitarbeiter*innen als auch der Gäste! Besonders schade ist natürlich, dass die Schließung zu einem Zeitpunkt kam, an dem wir die Anzahl der Besucher erheblich steigern konnten. Unser Einzugsgebiet ist erstaunlich groß geworden durch die hohe Qualität unserer neuen Angebote. Alle meine Kollegen*innen, aber speziell aus dem Kursbereich wie z.B. Frau Sonja Gierlinger mit dem Aquafitness und Baby- und Kleinkinderschwimmen oder Frau Heidi Gärtner, zuständig für das physiotherapeutische Angebot im AquariUSH von Peter Reins Thea-Lohhof, um nur einige zu nennen, die trifft es besonders hart, die würden lieber heute als morgen wieder starten. Die Kurse werden dann auch alle nachgeholt werden können. Jetzt verspreche ich unseren Gästen, dass es nach ca. fünf Tagen Vorbereitung losgehen könnte - bis dahin brauchen wir alle halt Geduld!“

Vielen Dank Herr Kunz für das Gespräch und ich drücke Ihnen, dem ganzen Team und allen Unterschleißheimer AquariUSH Fans beide Daumen!