Fachkräftemangel in Unterschleißheimer Kinderbetreuungseinrichtungen

In Bayern fehlen ca. 11.500 pädagogische Fachkräfte in der Kinderbetreuung. Auch in Unterschleißheim zeigt sich in diesem Kindergartenjahr, dass aufgrund des Fachkräftemangels in verschiedenen Einrichtungen Kindergarten- und Krippenplätze nichtvergeben werden konnten. Insgesamt sind es derzeit etwa 60 Plätze.

Es ist zu befürchten, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verstärken wird.

Der Arbeitsmarkt zeigt deutlich, dass aus mangelnder Wertschätzung des Personals und der schlechten Bezahlung immer weniger junge Menschen in der Ausbildung zur Erzieherin und Kinderpflegerin eine berufliche Lebensperspektive sehen. Angesichts des großen Fachkräftemangels sind die Arbeitsbedingungen in vielen Einrichtungen an der Belastungsgrenze angekommen und es kommt zu Kündigungen und vermehrt zu Krankheitsfällen. Hinzu kommt, dass das Fachpersonal in den Einrichtungen zur pädagogischen Arbeit mit den Kindern in vielen Fällen zusätzlich ein hohes Maß an bürokratischer und hauswirtschaftlicher Arbeit mit erledigen muss.

Für die SPD ist es daher erforderlich, dass von Seiten der Stadt Unterschleißheim kurzfristig Möglichkeiten geschaffen werden, das vorhandene Personal in den Einrichtungen bzgl. der personellen Engpässe zu entlasten. Ziel muss es sein, dass die gute qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit auch weiterhin gewährleistet werden kann und es nicht zu weiteren Kündigungen aufgrund von Überstunden, Krankheiten und Mehrbelastungen kommt.

Auch der Standort Unterschleißheim muss für Bewerbungen bzgl. des pädagogischen Anforderungsprofils und der Ausstattung in den einzelnen Einrichtungen attraktiv sein. Es müssen besondere Anreize aufgezeigt werden für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, sich für die Kinderbetreuungseinrichtungen in Unterschleißheim und deren Träger zu bewerben.

Gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Böck hat die SPD Fraktion am 11. Oktober im Sozialausschuss einen vier Punkte Antrag zur Prüfung durch die Verwaltung eingereicht, um die angespannte Situation durch den Fachkräftemangel in den Einrichtungen zu entlasten und zu verbessern.

Vorab gab es ein Treffen der SPD Fraktion mit den Leitungen der Unterschleißheimer Einrichtungen, bei dem gemeinsam die Verbesserungsmöglichkeiten besprochen wurden.

  1. Seit einigen Jahren erhalten Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen von der Stadt Unterschleißheim eine Arbeitsmarktzulage zu den tariflichen Gehaltszahlungen, um die hohen Lebenshaltungskosten in München und dem Umland auszugleichen. Über eine Erhöhung sollte in den Haushaltsberatungen diskutiert und entschieden werden. Alternativ dazu möchte die SPD Fraktion über die Zahlung eines Wohngeldes beraten, um die hohen Wohnraumkosten in der Region zu verringern. Da momentan kein bezahlbarer Wohnraum in Eigentum der Stadt Unterschleißheim den Fachkräften angeboten werden kann, sollte die Verwaltung ein Konzept erarbeiten und dabei Erfahrungswerte vergleichbarer Kommunen mit einbeziehen.

  2. Das Qualitätsniveau der Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend mitgeprägt durch das Kriterium des Personalschlüssels (betreute Kinder pro Erzieherin). In den Unterschleißheimer Kinderbetreuungseinrichtungen ist der Schlüssel unterschiedlich und schwankt und steigt im Laufe des Kindergartenjahres bedingt durch veränderte Buchungszeiten, aber auch durch die Mehrbelastungen durch die angespannte Personalsituation in den einzelnen Einrichtungen. Die SPD Fraktion beantragt eine genaue Auflistung des Personalschlüssels des Kita-Jahres 2017 der einzelnen Einrichtungen nach Krippe und Kindergarten. Sie bittet die Verwaltung um Vorschläge, wie die Stadt dazu beitragen kann, die Schwankungen des Personalschlüssels im Laufe des Kita-Jahres aufzufangen und abzumildern. Ein durchschnittlicher jährlicher Betreuungsschlüssel von 8.0 pro Erzieherin im Kindergartenbereich sollte angestrebt werden, um auch in Zukunft das gute pädagogische Qualitätsniveau, das die Einrichtungen auszeichnet zu erhalten. Der Personalschlüssel ist bei Neueinstellungen und den Bewerbungsgesprächen ein wichtiges Kriterium der Bewerberinnen und Bewerber.

  3. Für die hauswirtschaftlichen Arbeiten in den Einrichtungen sollte ausreichend Personal vorhanden sein. Die SPD Fraktion bittet um eine Überprüfung der hauswirtschaftlichen Personalsituation, denn immer mehr Arbeiten müssen vom pädagogischen Fachpersonal mit übernommen werden. Hier bedarf es in Absprache mit den Trägern einer eventuellen Nachbesetzung bzw. einer Stundenerhöhung.

  4. Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, die nach einer Erziehungspause wieder in die pädagogische Arbeit in Unterschleißheimer Betreuungseinrichtungen zurückkehren und deren eigene Kinder dort betreut werden, sollten von Seiten der Stadt Unterschleißheim eine Beitragsermäßigung bzw. eine Beitragsbefreiung eingeräumt bekommen.

Annegret Harms, SPD Sozialreferentin

Christoph Böck, 1. Bürgermeister